16.11.2009
Otranto: Die schöne Stadt ist reich an Geschichte und Kultur
Otranto - das "Tor zum Osten" - blickt über das Meer zum Horizont auf die Durchgangsregion Salento, wo sich unterschiedliche Kulturen und Religionen stets vermischt haben. Die nur 20 Meter über dem Meeresspiegel gelegene Stadt ist die östlichste Italiens - eine Tatsache, die sich auch in ihrer Architektur widerspiegelt, die eine Mischung lokaler und fremder Stile, insbesondere des byzantinischen Orients, aufweist. Der historische Stadtkern, der sich in wenigen Stunden zu Fuß erkunden lässt, ist für den Verkehr gesperrt. Die verwinkelten, kleinen Straßen und engen, gepflasterten Gassen sind von meist zweistöckigen Häusern gesäumt. Einige von ihnen besitzen Innenhöfe, in denen sich die Bewohner früher abends trafen. Charakteristisch sind die ganz einfachen, weißen Fassaden.

Die Sandstrände gehören zu den schönsten und unberührtesten Italiens und machen Otranto im Sommer zu einer beliebten Urlaubsregion. Doch auch im Winter besitzt die Stadt mit ihrer reichen Geschichte großen Charme. Zwischen den mittelalterlichen Mauern lassen sich noch die Stimmen der Vergangenheit erahnen.

Durch die öffentlichen Gärten an der Porta di Terra gelangen die Besucher zur antiken Zitadelle. Das Tor in der Stadtmauer, durch das man in das historische Zentrum gelangt, war einst einer der beiden Hauptzugänge nach Otranto. Gemeinsam mit der Burg Aragon, die nach dem Türkeneinfall im Jahr 1480 fast vollständig neu aufgebaut wurde, schützten die Mauern die Stadt von der Landseite her und verteidigten das winzige Juwel der Halbinsel Salento, das noch heute mit seinen Baudenkmälern und Palästen Zeuge der Vergangenheit ist.

Folgt man der Mauer, findet man ein zweites Tor, das zu Ehren von Alfons von Aragon "Alfonsina" genannt wird, der Mann der die Bewohner der Stadt von den Türken befreite. Auf der ebenfalls nach ihm benannten Straße gelangt man zur Residenz. Gleich rechts geht es durch die Via Basilica zur majestätischen Basilika, dem Herz der mittelalterlichen Stadt, die 1088 eingeweiht wurde und nach Santa Maria Annunziata benannt ist. Ihre Fassade vereinigt romanische Stile mit einer Rosette über dem Eingangstor, die später mit Steinsäulen und -skulpturen aus Lecce versehen wurde. Das wunderschöne, den Kirchenboden vollständig bedeckende Mosaik war in dieser Region im 12. Jahrhundert einmalig. Das Kunstwerk, das Einige als das "Geheimnis von Otranto" bezeichnen, stellt den Lebensbaum dar, ein Symbol, das Christen zu allen Zeiten teuer war, aber auch Bedeutung in den östlichen Kulturen hatte. Es sorgt für Verwirrung, denn es enthält zahlreiche historische und mythische Figuren, fantastische Tiere kombiniert mit christlichen Symbolen, aber auch altgriechische, jüdische und orientalische Figuren, die nebeneinander dargestellt werden und fast keinen Raum freilassen. Gemeinsam zelebrieren sie den Glauben an Gott und geben allen Menschen ein Gefühl der Geborgenheit.

Das historische Ereignis, das den Menschen von Otranto seinen Stempel aufgedrückt hat und bis heute durch die engen Gassen der alten Stadt geistert, ist die türkische Invasion von 1480. In diesem Jahr wurde Otranto zerstört und nahezu alle Einwohner wurden getötet. Die Gebeine der 800 Christen, die sich weigerten, zum Islam überzutreten, werden noch heute in der Kapelle der Kathedrale aufbewahrt, die nach den Märtyrern von Otranto benannt und heute ein Pilgerort ist. Der Besuch des Gotteshauses endet in der Krypta, die älteste in dieser Region Apuliens. Sie ist von außerordentlicher Schönheit und besitzt 42 monolithische Säulen, deren Ursprung unbekannt ist. Sie sind aus Marmor oder Granit und unterscheiden sich in Stil und Jahr der Herstellung.

Zurück auf der Via d'Aragona erreicht man auf dem Corso Garibaldi die kleine Kirche S. Pietro aus dem 9. Jahrhundert, ein Zentrum der byzantinischen Stadt, in der orthodoxe Riten zelebriert wurden. Sie besitzt einen griechischen Kreuzgrundriss und wurde einer Legende zufolge zur Erinnerung an den Besuch des Heiligen Petrus errichtet, der hier auf seinem Weg vom Heiligen Land nach Rom Station machte. In der kleinen Kirche finden sich noch zahlreiche Fresken mit Geschichten aus dem Evangelium, aus denen die Gläubigen wie in einem großen Bilderbuch lesen können - darunter die Fußwaschung und das letzte Abendmahl, die noch sehr gut erhalten sind.

Die lokale Küche von Otranto bietet Fisch und Weine aus der Region Salento. Zu den Spezialitäten gehören Schwertfisch-Carpaccio und Lachs, pasta bavette mit Garnelensauce, bavette mit Seeigel, Meeresfrüchterisotto, gegrillter Fisch und Schalentiere.


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