16.11.2009
Joconde: die nackte Mona Lisa
Eine umfassende Ausstellung zeigte von dem berühmtesten Gemälde der Welt beeinflusste Kunstwerke in Leonardos Geburtsstadt Vinci

Im Jahr 1919 verzierte der Dadaist Marcel Duchamp die Mona Lisa (die man auf Italienisch La Gioconda nennt) mit Schnurr- und Spitzbart - eine künstlerische Provokation fünfzig Jahre vor der Pop-Art. (Ihr Ziel war es, die passive Haltung der Öffentlichkeit gegenüber Kunstwerken infrage zu stellen, die auf Ikonen der Malerei reduziert worden sind.) Die Aktion erregte viel Aufsehen. Doch die Ikone, um die es ging, - zweifellos das berühmteste Bild der Welt - war stets Inspiration für Imitationen und Variationen und warf zahlreiche Fragen auf. Unzählige Künstler haben über sie sinniert und versucht, das Geheimnis des Lächelns auf dem außergewöhnlichen Porträt zu lüften.

Das berühmteste, meistdiskutierte Gemälde ist heute Thema einer umfassenden Ausstellung in Vinci, der Stadt in der Toskana, deren Name unausweichlich mit dem hier geborenen, größten Genie der Renaissance verbunden ist.

Der Titel der Ausstellung, die Tausende von Gemälden, Kunstgegenständen und Dokumenten aus der 500-jährigen Geschichte von 1503 bis 2009 zeigte, lautete "Joconde: von der Mona Lisa zur nackten Gioconda". Ihr Ziel war es, Licht in das Porträt, seine Ursprünge, seinen Erfolg und die es umgebenden Geheimnisse zu bringen. Zum ersten Mal gezeigt werden Originalwerke aus dem 16. Jahrhundert, darunter zwei "nackte Mona Lisas", die vor Jahrhunderten Leonardo selbst zugeschrieben wurden. Eines davon gehörte Napoleons Onkel, Kardinal Fesch. Doch in den Ateliers wurden auch unbekannte Mona Lisas gemalt, die nicht von den Schülern Leonardos stammten. In dieser faszinierenden, vielfältigen Ausstellung wurden frühere Entdeckungen neben neuere Nachforschungen zu einer Reihe fundamentaler Fragen, wie Datierung, Identität und Auftraggeber des Werks, gestellt. Ein entscheidender Augenblick in der jüngeren Geschichte der Gioconda war ihr Diebstahl im Jahr 1911. Ein Italiener entwendete das Gemälde aus dem Louvre. Zu seiner Verteidigung gab er patriotische Gründe an: Das Werk sollte in sein Land zurückkehren.

Von großem Interesse war der Beitrag von Jean Margat (Künstler, Wissenschaftler und Sammler sowie Autor der Abhandlungen "Giocondologia" und "Giocondoclastia") sowie zahlreiche Werke neuerer Künstler aus den Bereichen Malerei, Grafik, Mode und Design.

Die Ausstellung umfasste außerdem digitales, ikonografisches Material in einem Kaleidoskop von Bildern sowie spektakuläre, am Original im Louvre durchgeführte wissenschaftliche Analysen, mit einem 4x3 Meter langen Spektrogramm.

Am Ende der Ausstellung fand eine Multimedia-Tagung internationaler Gelehrter und Wissenschaftler statt sowie eine Gerichtsverhandlung als Theaterstück, das von Rechtsanwälten und Richtern des florentinischen Gerichts ausgearbeitet und aufgeführt wurde.


Joconde: von der Mona Lisa zur nackten Gioconda
(Joconde, dalla Monna Lisa alla Gioconda Nuda)
Museo Ideale Leonardo da Vinci
Vinci, Italien
bis 30. September 2009
täglich von 10.00-19.00 Uhr
Information:
Tel. +39 057156614 oder +39 057156296
Fax +39 0571567986
info@museoleonardo.it

von Mariarosa Schiaffino

Alle Fotos von Museo Ideale Leonardo Da Vinci, Libera Accademia Leonardi Vinci, Associazione Internazionale Leonardo Da Vinci - Museo Ideale

All photos Courtesy of Museo Ideale Leonardo Da Vinci, Libera Accademia Leonardi Vinci, Associazione Internazionale Leonardo Da Vinci - Museo Ideale

Raffaello sanzio's female portrait known as The Mute Woman represents a return to the influence of Leonardo

Salvador Dalí, famous for his pioneering surrealist work, painted this 'Self portrait as Mona Lisa' in 1954

"Gioconda del Parlamento", attributed to the School of Leonardo

In 1919, Dadaist Marcel Duchamp painted a mustache and goatee on a post card to mock the painting. This received a great deal of attention and became Duchamp's most famous work of art (La Joconde L.H.O.O.Q.)

Museo Ideale Leonardo da Vinci (Leonardo Da Vinci Ideal Museum)

Luca Patella's 'Gioconda con la mosca al naso' (1985) - A wordplay, a pun of sort: In Italy, they call people who become abruptly annoyed and lose their temper as people who 'have flies jumping off their noses'

Les jocondes font la queue (Giocondas in a row), by Jean Margat

Bizarre Magazine, May 1959: the cover
Nude Gioconda, painting attributed to the School (or Worshop) of Leonardo

Museo Ideale Leonardo da Vinci (Leonardo Da Vinci Ideal Museum): The Hall of Columns
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